Krimtataren

Krịmtataren,
 
turksprachiges Volk, ursprünglich auf der Krim siedelnd; es bildete sich im Laufe des Zerfalls der mongolisch beherrschten Goldenen Horde v. a. aus unterworfenen Kumanen und anderen Turkstämmen; durch Vermischung mit Genuesen, Krimgoten und Slawen auch im Aussehen europäisiert. Schon seit 1783 durch Abwanderungen in die Türkei stark dezimiert, wurden etwa 220 000 Krimtataren 1944 (unter dem Vorwurf der Kollaboration mit den Deutschen) nach Mittelasien, v. a. in die wüstenhafte Mubareksteppe südöstlich von Buchara (Usbekistan), deportiert, wobei viele umkamen (nach eigenen Angaben 10 %). Nach einem Beschluss vom 28. 11. 1989 dürfen die heute etwa 500 000 Krimtataren wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehren. Ihre Zahl stieg daher von (1988) 17 500 auf (Ende 1994) 260 000; weitere 100 000 wollen nachkommen, wobei dann der Bevölkerungsanteil der Krimtataren auf der Krim bei etwa 14 % liegen würde. Kleinere Gruppen existieren in Bulgarien, Rumänien, Polen und den USA. Die Nachfahren der in die Türkei ausgewanderten Krimtataren werden auf 5 Mio. geschätzt; sie sind jedoch weitgehend im türkischen Volk aufgegangen.
 
Die Krimtataren bekennen sich zum sunnitischen Islam und siedelten vor ihrer Vertreibung von der Krim als Bauern, Viehzüchter und Fischer besonders an den Berghängen des Jailagebirges.
 
 
Die Schriftsprache der Krimtataren, das Krimtatarische, gehört zur Nordwestgruppe der Turksprachen. Da auf der Krim viele Turkdialekte gesprochen wurden (im Süden z. B. Osmanisch), war sie anfangs uneinheitlich; inzwischen gibt es eine gewisse Normierung. Das Krimtatarische wurde ursprünglich in arabischem, seit 1928 in lateinischem, seit 1938 in kyrillischem Alphabet geschrieben.
 
 
Neben der krimtatarischen Volksdichtung besteht seit dem 19. Jahrhundert eine Kunstliteratur, überwiegend eine Aufklärungsliteratur unter russisch-europäischem Einfluss. Bedeutsam für die kulturellen Einheitsbestrebungen der in der Sowjetunion lebenden Turkvölker war die Zeitschrift »Tärdjüman« (»Der Dolmetsch«, herausgegeben von Ismail Gasprinskij).
 
Zur Geschichte Krim.
 
 
G.Doerfer in: Philologiae Turcicae Fundamenta, Bd. 1, hg. v. J. Deny u. a. (1959);
 A. Battal-Taymas in: Philologiae Turcicae Fundamenta, Bd. 2, hg. v. L. Bazin u. a. (1964);
 
Krimtatar. Chrestomathie aus Gegenwartstexten, hg. v. I. Çeneli u. a. (1980);
 A. Fisher: The Crimean Tartars (Neuausg. Stanford, Calif., 1987);
 H. Kɪrɪmlɪ: National movements and national identity among the Crimean Tatars (1905-1916) (Leiden 1996).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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